Montag, 13. Februar 2012

[Rezension] Die Wanderhure

 Vor einigen Tagen habe ich Die Wanderhure von Iny Lorentz beendet, hier nun meine Rezension:

von Iny Lorentz
"Konstanz im Jahre 1410: Als Graf Ruppert um die Hand der schönen Bürgerstochter Marie anhält, kann ihr Vater sein Glück kaum fassen. Er ahnt nicht, dass es dem adeligen Bewerber nur um das Vermögen seiner künftigen Frau geht und dass er dafür vor keinem Verbrechen zurückschreckt. Marie und ihr Vater werden Opfer einer gemeinen Intrige, die das Mädchen zur Stadt hinaustreibt. Um zu überleben, muss sie ihren Körper verkaufen. Aber Marie gibt nicht auf..."


Marie lebt ein sorgloses Leben in Konstanz bis zu dem Tag an ihrer Verlobung mit dem Magister Ruppert.
Am Tage vor ihrer Hochzeit wird Marie von Rupperts Handlangern als Hure angeklagt.
Die zu diesem Zeitpunkt noch jungfräuliche Marie wird in einen  Turm gesperrt, guter Hoffnung, dass sich am nächsten Tag wenn ihre Jungfräulichkeit geprüft wird, alles aufklären wird und sie wieder frei ist.
Doch mitten in der Nacht bekommt sie von drei Handlangern ihres Verlobten Besuch, sie wird von allen dreien vergewaltigt und somit ihrer Jungfräulichkeit beraubt.
Als sie am nächsten Tag vor Gericht steht und die drei Herrschaften anzeigen will, wird ihr keinerlei Glauben geschenkt. Was bedeutet schon das Wort einer Frau gegen das eines ehrenwerten Mannes?
Sie wird der Hurerei schuldig gesprochen und mit 30 peitschen Hieben an den Schandpfahl gestellt. Danach wird sie aus Konstanz vertrieben und darf nie wieder zurückkehren.
Am Straßenrand bricht sie zusammen und ist dem Tode nahe, die vorbeiziehende Wanderhure, Hiltrud, nimmt sich ihrer an und päppelt sie wieder auf.
Marie sieht keinen anderen weg als sich ihr anzuschließen nach einiger Zeit sieht sie ein, dass sie nur überleben kann wenn sie sich auch der Hurerei hingibt. Doch sie lässt ihr Ziel nicht aus dem Auge, sie will Rache..

Meine Erwartungen waren ziemlich hoch, die Lobeshymnen an Iny Lorentz nehmen ja kein Ende. ;) Ich habe wirklich noch nie etwas schlechtes über das Buch gehört.
Und ich bin froh, dass das Buch meinen Erwartungen relativ standhalten konnte.
Auch wenn das Buch relativ dick ist, war ich doch erstaunt darüber, dass so viel Inhalt und so viele verschiedene Abenteuer auf Marie zukommen.
Das hat mir wirklich sehr gefallen und die Reise auf die sich Marie begeben hat war mitreißend und fesselnd sowie auch grausam.
Die ganzen vergewaltigungs Szenen im Buch haben mir weniger gut gefallen. Ich finde sowas einfach widerwärtig, öfters musste ich das Buch dadurch erst einmal aus der Hand legen weil ich mir das selbst nicht mehr zumuten konnte.
Was Vergewaltigungen angeht bin ich echt leicht-besaitet und vertrage da nicht wirklich viel. ;)
Generell rege ich mich ja gerne darüber auf, dass Frauen damals als quasi wertlos galten und über die ganze Ungerechtigkeit die den Frauen damals wiederfahren ist.
Ich bin dafür wohl einfach zu feministisch als das ich das einfach so an mir abprallen lassen könnte.
Da ich mir aber darüber im klaren bin, dass es damals einfach so war und man das in einem historischen Roman natürlich nicht außer Acht lassen sollte - sonst wäre das ganze ja nicht mehr authentisch - wird das auch nicht in meine Gesamtbewertung mit einfallen.^^

Die Charaktere waren alle sehr gut gezeichnet und waren alle sehr abwechslungsreich. :)
Besonders die Entwicklung von Marie von kleinem, bravem Mädchen zu einer kämpferischen Frau hat mich sehr begeistert, wenn auch schockiert.
Es ist schon erstaunlich wie einen schreckliche Ereignisse doch verändern können und dann auch noch so drastisch.
Ihr Schicksal hat mich sehr berührt und mitgenommen, von daher habe ich auch die ganze Zeit darauf hingefiebert, dass sie endlich Rache nehmen kann.
Auch Hiltrud ist mir im Laufe der Zeit sehr ans Herz gewachsen, sie scheint als wäre sie mit sich im reinen und als würde es ihr nichts ausmachen, dass sie als Hure durch das Land schreiten muss. Doch im Laufe der Zeit bekommt man auch bei ihr einen besseren Einblick und merkt, dass sich sie nach einem ganz gewöhnlichem Alltag sehnt.

Die Wanderhure ist ein schönes, grausames und bewegendes Buch. Wer historische Romane mag sollte es auf jeden Fall mal gelesen haben.


  • Taschenbuch: 607 Seiten
  • Verlag: Knaur
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3426629348
  • ISBN-13: 978-3426629345

Super Buch.


So und ich freue mich nun auf die Fortsetzung, die ich bald in Angriff nehmen werde. :)

Wie findet ihr die Wanderhure - oder habt ihr das Buch noch nicht gelesen? =)

Und was sagt ihr zum Film? Ist er sehenswert? Werde ihn mir heute Abend anschauen und bin mal gespannt. ;)

Kommentare:

  1. Ich kann mich dir anschließen-genau so würde ich es auch bewerten! Die Vergewaltigungsszenen sind mir auch zu heavy, auf der anderen Seite braucht es das aber auch, damit man selbst der Rache mehr entgegen fiebern kann...
    Ich finde, der Film ist sehr gut umgesetzt, wobei man sich die Personen immer anders vorstellt :)
    Bald kommt ja auch die Filmfortsetzung!

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    1. Ja das stimmt, welch ein Zwiespalt. ;)
      Dann freue ich mich auf dem Film. Von Marie konnte ich mir äußerlich gar kein Bild machen wie sie aussehen, da ich wusste, dass Alexandra Nedel sie verkörpert.
      Michel trifft meine Vorstellung ziemlich gut und von den anderen lass ich mich mal überraschen. :)

      Ja, bevor ich die anschaue muss ich aber erst einmal das 2. Buch lesen. :D

      Liebe Grüße
      Svenja

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  2. Ich habe schon lange hin und her überlegt ob ich das Buch mal lesen sollte. Aber verscheinlich werde ich es mal in Angriff nehmen. ;)
    Lg Steffi

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    1. Lohnt sich auf jeden Fall, wünsche dir dann viel Spaß. :)

      Liebe Grüße
      Svenja

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