Montag, 27. Februar 2012

[Rezension] Mücke im März

von Veronika Rotfuß

"Es ist alles unfair: Mückes Mutter ist krank, ihr Papa meistens in Tokio und sie selbst hockt im alten glitzerlila Turnhosen auf der Mädchentoilette, weil ihr Sportzeug wieder mal nicht gewaschen ist.
Doch zum Glück gibt es auch diese anderen Momente in Mückes Leben: Wenn sie mit Nora über den Dächern der Stadt sitzt, oder wenn sie sich mit Yurik im Pool des Majestic-Hotels treiben lässt.
Denn mit Yurik ist sie jetzt zusammen! Aber was heißt das überhaupt? Mit dem ganzen Krankheitsscheiß kann er ihr jedenfalls nicht helfen.." 

Mücke ist 15, fast 16.
Ihre Mutter leidet bereits im Alter von 47 Jahren unter Demenz, für Mücke und den Rest ihrer Familie, ist der Umgang mit der Krankheit alles andere als leicht.
Der Versuch sich mit der Krankheit zu arrangieren scheitert, ihr Vater ist nur am Wochenende zu hause und auch die Haushälterin die seit der Erkrankung bei ihnen lebt, kann nicht 24 Stunden über die Mutter wachen. So geschieht es, dass sie Mückes kleinen Bruder, ihren eigenen Sohn attackiert..
Die Familie beschließt, dass es das beste ist die Mutter in eine Klinik einweisen zu lassen, wo Personal arbeitet, die den Umgang mit Demenzkranken, gewohnt sind.
Und als wäre all dies nicht schon genug, durchlebt Mücke gerade all die "Kriesen" und Ängste die man als Teenager so hat...

Erst einmal muss ich sagen, dass die Aufmachung und Gestaltung des Buches wirklich toll ist. Mir gefällt das Cover schon sehr. Es macht irgendwie einen bedrückenden Eindruck, aber bringt auch einen Hoffnungsschimmer mit sich. Wobei das vielleicht nicht jeder so sieht, ist ja Interpretationssache. Ganz besonders finde ich den Schutzumschlag, den ich bei einem Taschenbuch noch nie vorgefunden habe. Meiner Meinung nach wurde bei der Taschenbuch Ausgabe des Buches, tolle Arbeit geleistet.

Das Thema des Buches war für mich Grund es lesen zu wollen, ich war sehr gespannt darauf wie ein Mädchen in dem Alter mit einem solchen Schicksalsschlag umgeht und war neugierig darauf wie sie sich fühlt und sie zum Ausdruck bringt.
Nur leider kam beim lesen davon nicht wirklich viel rüber..
Das Buch hält sich sehr an den Alltag und auch wenn Mücke sich viele Gedanken macht, so drehen sich diese doch meistens um Yurik, ihr erster Freund, oder auch davon wie scheiße die Krankheit der Mutter ist. Mir fehlt hier allerdings die Beschreibung des genauen Gefühlszustand. Etwas was einem wirklich berührt und dem ganzen Buch mehr Tiefgründigkeit verleiht.
Das habe ich sehr vermisst, denn davon war eigentlich nichts zu lesen. Am ende gab es eine Szene in der sie ihrer Mutter gegenüber steht und ihr, ihre ganze Wut an den Kopf wirft.
Allerdings hätte man auch aus dieser Szene deutlich mehr machen können, dennoch konnte sie mich ein wenig berühren.
Die Thematik hatte so viel Potenzial, ich würde behaupten, dass davon nicht einmal ein Viertel genutzt wurde. Schade..

Mücke als Person tat mir auch nicht wirklich leid, ich hab einfach keinen Weg gefunden um mich in sie hinein fühlen zu können. Zudem machte sie auf mich in den meisten Fällen nicht den Eindruck 15 bzw. 16 zu sein. Ihre Art zu denken und auch ihre Reaktionen, passen meiner Meinung nach eher zu einer 12-13 Jährigen.
Fand ich sehr komisch zu lesen und hat mich auch gestört. Irgendwie hatte ich gedacht, dass ein Mädchen, dass eine demenzkranken Mutter hat, vom denken her weiter ist als andere. Und kleine Probleme wie "Mag er mich oder nicht?" weniger ins Gewicht fallen würden, weil sie einfach weiß, dass es schlimmere Sachen gibt. Aber gut, wer weiß schon wie ein Mädchen denkt, dass an Mückes stelle ist? ;)
Dennoch fand ich es halt merkwürdig.
Auch ihre ersten Erfahrungen in der Liebe waren nicht dem Alter entsprechend. Natürlich ist da jeder anders, aber wenn man mit 15 bzw. 16 seine ersten Erfahrungen sammelt, dann besteht eine Beziehung doch mehr als nur peinliches Anschweigen und ab und zu mal ein Küsschen hier und da?
Zumindest war das meine Erfahrung und auch das was ich bei anderen beobachten konnte. ;)
Ich schätze einfach mal, dass es der Autorin schwer viel, sich in das Alter von Mücke hineinzuversetzen..

Der Schreibstil ist einfach gehalten und man kommt ohne Probleme durch das Buch. Dadurch, dass das Buch auch nicht wirklich dick ist, ist es auch relativ schnell durchgelesen. ;)

Insgesamt hat mir das Buch weniger gut gefallen, Tatsache ist aber auch, dass ich nicht mehr ganz der Zielgruppe entspreche. Wäre also interessant zu wissen wie man im Alter von 12-13 über dieses Buch denkt, jemand älteren würde ich dieses Buch nämlich nicht empfehlen.


  • Taschenbuch: 192 Seiten
  • Verlag: Carlsen Verlag
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3551311153
  • ISBN-13: 978-3551311153

Lohnt sich nicht wirklich.

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