Montag, 9. April 2012

[Rezension] Pampa Blues

von Rolf Lappert
 "Später kommt Maslow mit zwei Flaschen Bier über den Platz und setzt sich neben mich. Eine Weile sitzen wir stumm da, trinken unser Bier und gucken in den Himmel. >>Glaubst du eigentlich, dass dort oben irgendwo Leben ist?<< fragt Maslow schließlich.
>>Ich glaube nicht mal, dass hier unten Leben ist.<< sage ich. Maslow seufzt und schweigt dann wieder.
>>Ich muss dir noch den Rest meines Plans verraten.<<

Ich brauche einen Moment, um Maslows bescheuerten Plan zu verdauen. Ein Flugzeug durchquert das Stück Himmel vor uns. Ich stelle mir vor, wie es wohl dort oben zwischen den Sternen ist und wie es sich anfühlt, unterwegs zu einem fremden Ort zu sein. >>Und? Was sagst du?<<
Ich trinke einen Schluck Bier, bevor ich antworte.
>>Ich kann mich nur wiederholen: Du hast nen Knall.<<"

Der 16-jährige Ben lebt in Wingroden, einer abgeschiedene Provinz in Norddeutschland - also in der Pampa. Dort beträut er seinen demenzkranken Großvater. Doch Ben träumt von der großen weiten Welt, mit seinem VW-Bus, an dem er so ziemlich jede freie Minute arbeitet, möchte er nach Afrika fahren, wo auch einst sein Vater war, ehe er dort starb..
Als Maslow, Bens bester Freund, versucht Besucher ins Dorf zu locken in dem sie ein UFO dort landen lassen, kommt die hübsche Lena ins Kaff.
Klar verliebt sich Ben und Maslow hält sie für eine Journalistin und glaubt die UFO-Aktion habe funktioniert. Doch die eigentlichen Journalisten kommen erst als es einen Mord in Wingroden gab..

Dieses Jugendbuch ist einfach anders als andere, es ist ruhig und kommt ohne große Action daher, und so ist es auch gut.
Sehr gut gefallen hat mir die Menacholie, die einem die ganze Zeit beim lesen begleitet und nur ganz leicht und langsam von Hoffnung erfüllt wird.
Am Anfang der Geschichte, erlebt man mit Ben den ganz alltäglichen Pampa-Alltag. Mag langweilig klingen und das ist es auch, zumindest aus Bens Sicht. Da man als Leser aber viel in Bens Kopf rumschwirrt und von seinen Träumen, Wünschen und Gefühlen erfährt, ist das ganze schon wieder recht interessant zu lesen.
Denn Ben ist meiner Meinung nach eine sehr starke Person, er ist ein sehr nachdenklicher und ruhiger Junge. Seine Gedanken erscheinen mir sehr teifgründig und überlegt und zeigt, dass er schon recht intelligent ist. :)
Außerdem ist er ein Sympathieträger, bei dem es einfach interessant ist, sich in ihn hineinzuversetzen.

Auch die anderen Charaktere Lena und Maslow haben mir gut gefallen.
Maslow ist ein einfallreicher und optimistischer Mensch, er gibt die Hoffnung nicht auf, dass irgendwann neue Besucher oder gar Anwohner an Wingroden angespült werden.
Gmeinsam mit Ben entstehen einige philosophische und interessante Dialoge, die mir mit die größte Freude gebracht haben.
Lena ist sehr geheimnisvoll, wenn auch sympathisch. Sie ist selbstbewusst und weiß was sie will und fordert das dann auch ein.
 
Im letzten Teil kommt dann Spannung auf, was dem Buch dann auch mal ganz gut tut, auch wenn ich die Ruhe mochte. ;) Aber an dieser Stelle verrate ich lieber nicht zu viel..

Lustig fand ich auch als ich bemerkte, dass Wingroden ein Anagramm ist und für Nirgendwo steht, sehr passend und klug gemacht. :)
Was ich wirklich als Kritikpunkt sehe ist der übermäßige Alkoholkonsum, den ich absolut nicht gut heiße. Ich weiß, dass ich bei dem Thema immer ein wenig empfindlich bin, da ich absolut nichts von Alkohol halte, aber ich denke nicht, dass es angebracht ist in einem Jugendbuch immer und immer wieder darauf hinzuweisen, dass die Protagonisten gerade eine Flasche Bier in der Hand haben..

Schwer zu sagen für wen dieses Buch geeignet ist, ehrlich gesagt glaube ich, dass es nur sehr wenige auf den ersten Blick anspricht, was schade ist, da es schon lesenswert ist. :)

  • Taschenbuch: 256 Seiten
  • Verlag: Carl Hanser Verlag GmbH & Co. KG
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3446238956
  • ISBN-13: 978-3446238954
Super Buch.

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