Montag, 20. April 2015

[Rezension] Echt

von Christoph Scheuring
"Albert sammelt Abschiede. Tag für Tag fotografiert er am Bahnhof Umarmungen, Trennungen und Tränen. Denn Abschiede, das sind für ihn Momente, in denen der Mensch wahrhaftiger ist als jemals sonst. Eines Tages lernt er Kati kennen. Sie sieht aus wie ein Engel, ist gleichzeitig abgezockt und verletzlich. Und sie ist wie gebannt von seinen Bildern, vor allem von seinem Lieblingsbild, auf dem Schmerz und Glück völlig selbstvergessen miteinander verschmelzen. Doch Kati behauptet, das Foto sei eine einzige Lüge. In den Tiefen des Bahnhofs machen sich die beiden daran, die Wahrheit hinter dem Foto zu finden."


Albert ist häufig am Hamburger Bahnhof anzutreffen, er geht herum betrachtet die Leute und fängt mit seiner Kamera die Momente des Abschieds ein. Denn für Albert ist ein Abschied das echteste was es gibt und er genießt die wahren Emotionen die auf den Bildern zu sehen sind.
Eines Tages lernt er Kati kennen, ein abgebrühtes Mädchen das nach ihren eigenen Regeln lebt, als sie Alberts Lieblingsbild sieht ist sie fest davon überzeugt, dass an diesem Bild gar nichts echt ist. Gemeinsam machen sie sich auf die Suche nach der Wahrheit zu diesem Bild..


Ich mag das Cover, ich mag die Einfachheit und das es irgendwie "unfertig" ist. Das passt zum Buch und macht das Buch irgendwie interessant. :)


Auf das Buch war ich wirklich unheimlich gespannt, die Thematik fand ich auf anhieb traurig und schön zugleich und ich konnte es kaum erwarten zu entdecken welchen Weg dieses Buch bestreiten wird.

Ich habe ein wirklich bedrückendes Jugendbuch vorgefunden, dessen Geschichte mich wirklich schnell gepackt hat und dessen Schicksal mich tief berührt hat.
Gleich am Anfang konnte mich das Buch mit Albert wirklich bezaubern, seine Erklärungen warum er gerade die Abschiede anderer Menschen sammelt und was er an ihnen so echt findet, fand ich wirklich schön und es machte das ganze auch wirklich plausibel. 
Generell mochte ich Albert sehr, er ist ein intelligenter Junge dessen Gedankengänge schon recht einzigartig sind und bei denen ich einfach großen Spaß hatte ihnen zu folgen.
Schade fand ich, dass er trotz seiner Intelligenz, gerade in Dingen die das zwischenmenschliche Miteinander betreffen ein bisschen naiv war. Und eigentlich finde ich, dass "ein bisschen naiv" noch wirklich nett formuliert ist.

Albert wächst in einem wirklich wohlbehüttetem Heim auf und auch wenn seine Eltern getrennt sind, so wurde er nie mit allzu großem Leid konfrontiert. Durch seine Begegnung mit Kati gelangt er in eine verdorbene Welt, Kinder die auf sich allein gestellt sind, die Drogen nehmen und für die schreckliches tun, werden zu seinen Freunden.
Ich fand es ziemlich komisch wie leicht er sich in diese Welt eingefügt hat und wie locker er die Schicksale seiner neuen Freunde genommen hat. 
Man hatte nicht das Gefühl, dass diese ihn emotional irgendwie belasten würden, nicht einmal das Schicksal von Kati und zwischen den beiden entwickelt sich ja auch mehr als nur Freundschaft.
Ich fand das einfach unglaubwürdig und ich fand das auch wirklich nervig, jemand der zum ersten Mal mit den Schattenseiten des Lebens konfrontiert wird, der nimmt all das doch nicht einfach so hin und fügt sich darin ein als wäre all das nichts!
Das ist wirklich ein Aspekt an dem Buch den ich einfach nicht nachvollziehen konnte und der das Gesamtbild auch ein bisschen gestört hat.

Die anderen Charaktere leben vor allem durch ihre schweren Schicksale, kommen gerade dadurch aber auch gut zur Geltung.

Ansonsten hat mir das Buch wirklich gut gefallen, gerade weil es natürlich auch schonungslos ist und die Abgründe der Gesellschaft aufzeigt und wie hilflos einige Menschen einfach sind. 
Auch die Geschichte rund um das Bild fand ich gut ausgearbeitet und auch spannend, wirklich weglegen konnte ich das Buch nicht, vor allem nicht im späteren Verlauf als man kleine Zusatzdetails erfährt.
Die werten das ganze noch mal auf und haben mich so richtig neugierig werden lassen, generell kommen hier immer mal wieder Wendepunkte die mich überraschen konnten. Nur das Ende fand ich dann wieder ein bisschen unbefriedigend, auch wenn ich persönlich durchaus der Meinung bin, dass es zum Buch und der Geschichte passt. :) 


Ein ungewöhnliches Buch, das mir persönlich gut gefallen hat und ich auf jeden Fall weiterempfehlen würde, auch wenn es teilweise ziemlich hart ist die Schicksale der einzelnen Personen zu verdauen, aber auch das gehört zu der Besonderheit des Buches. Es scheut nicht davor zurück schreckliches anzusprechen. Nur Albert selbst hat mich gestört, aber letztendlich war seine neutrale Sicht auf alles wohl gewollt, für mich war sie aber einfach nicht authentisch.
Ungewöhnlich und lesenswert.
Weitere Informationen: 
  • Gebundene Ausgabe: 256 Seiten
  • Verlag: Magellan (19. September 2014)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3734850010
  • ISBN-13: 978-3734850011

Kommentare:

  1. Guten Morgen =)

    Das ist ja witzig, meine Rezension ist auch gerade online gegangen und ich kann deinen Kritikpunkt zu Albert total verstehen. Mir ist auch aufgefallen, dass Albert sich einfach mitschleppen lässt. Er leistet überhaupt keinen Widerstand und nimmt alles so hin. Aber ich finde auch, dass dies sehr typisch für ihn ist und dass sich das ebenfalls im Verhalten seines Vater wiederfindet. Ich war mit dem Ende zufrieden =)

    LG
    Anja

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    1. Ja, aber letztendlich ist sein Vater ja noch mal ein bisschen ein Sondefall und lebt ziemlich in seiner eigenen Welt, der Vater wirkte auf mich schon fast ein bisschen authistisch. :D
      Albert hingegen nicht der war einfach ein bisschen naiv um all das wirklich greifen zu können, so habe ich das zumindest empfunden. :)
      Hach das Ende, ich hätte einfach gerne alles erfahren aber letztendlich ist das Ende kein schlechter Weg. :)

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    2. Hi nochmal =)

      Also ich fand den Vater total lässig. Erst dachte ich, er ist einfach nur gleichgültig, aber ich glaub das ist einfach ne charakterliche Sache. Irgendwie erinnert der mich an Loriot ^^

      LG
      Anja

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    3. Ja er war sehr lässig, für mich aber eher aus dem Grunde, dass er emotional einfach nicht ganz normal tickte. Ich kannte mal einen Mann mit authistischen Zügen und der war Alberts Vater vom Verhalten her ziemlich ähnlich, deswegen wahrscheinlich meine Vermutung. ;) Von daher denke ich eher es ist eine krankheitsbedingte Sache. :D

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  2. Hey,
    ich war nach dem Buch zwiegespalten. Einerseits fand ich einiges toll, vieles hat mich aber auch gestört. Selbst wenn ich sagen würde, es hat mir mittelmäßig gefallen, stimmt es irgendwie nicht. Ich kann gar nicht sagen, wie es mir gefallen hat.... :D Das Ende hat mich auch gestört, obwohl ich es trotzdem irgendwie realistisch finde...
    lg. Tine =)
    PS: Übrigens finde ich die Pusteblume in deinem Header voll schön! Und auch deine Postgestaltung mit den vielen dezenten Farben =)

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    1. Kann verstehen, dass dir die Beurteilung schwer fällt. Ja realistisch ist es und irgendwie finde ich es auch gut für die charakterliche Weiterenticklung, aber für mich hätte ich einfach gerne mehr erfahren. ;)
      Kann dich und dein Gefühl nachvollziehen, auch wenn es mir nicht ganz so schwer gefallen ist verstehe ich warum es dir so ergeht. :)

      Und danke, Komplimente zu meinem Blog bekomme ich immer gern. ^.^

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