Mittwoch, 20. Januar 2016

[Rezension] Die Geschichte des Regens






  • Preis: 22,99€
  • Einband: Gebunden
  • Seitenanzahl: 416
  • Verlag: DVA
  • Autor/in: Niall Williams
  • Übersetzer/in: Tanja Handels
  • ISBN: 978-3-421-04687-1





Ruth Swain, leidet mit gerade mal 19 Jahren an Leukämie und hat strikte Bettruhe verordnet bekommen. Gesellschaft leisten ihr die dreitausendneunhundertfünfundachtzig Bücher die ihr Vater Virgil Swain ihr hinterlassen hat und auch sie selbst ist dabei ihre ganz eigene Geschichte niederzuschreiben.
Dabei lässt sie ihre Vorfahren noch einmal aufleben und erzählt von ihrem Urgroßvater Absalom bis hinzu sich selbst, den Verlauf ihrer Familie und auch Irland selbst und vor allem die Dorfgemeinde Faha, lässt sie dabei aufleben...


Ich persönlich mag das Cover sehr gerne, zumal sich im Buch auch ein direkten Bezug zum Fluss und zu Lachsen herstellen lässt, ganz besonders verzaubert mich hier allerdings auch der Titel, der hat mich sofort neugierig werden lassen.


Bei diesem Buch musste ich nur den Klappentext lesen und hatte gleich ein äußerst positives Gefühl, bedenken, dass mir dieses Buch nicht gefallen würde hatte ich keine.
Und tatsächlich merkte ich auch beim Lesen sehr schnell, dass dies ein besonderes Buch ist. Das liegt vor allem daran, dass die Familie Swain ziemlich eigen ist.

Ich hab es wirklich schön gefunden Ruths Erzählungen über ihre Familie zu lauschen, sie geht sehr weit zurück und erzählt von Erlebnissen ihrer Vorfahren, die sie selbst nie miterlebt hat und erzählt auch um deren Emotionen. Sie dringt selbst sehr tief in ihre Vorfahren hinein und formt deren Persönlichkeiten. Als Leserin konnte ich nie mit Sicherheit sagen ob all das wahr ist, aber ich hab es als gegeben hingenommen und hab mich fortan einfach von den Persönlichkeiten ihrer Familie leiten lassen.
Das schöne war wirklich, dass sie alle einzigartig sind und nicht alles an ihnen ist positiv, aber die Erzählungen von Ruth haben mir durchaus das Bedürfnis gegeben mehr über sie erfahren zu wollen und ich spürte zu ihnen auch eine sehr starke Verbindung, auch wenn diese ebenfalls mit negativen Gefühlen behaftet sein konnten, zumindest teilweise.

Jeder ihrer Vorfahren, des Familienzweigs Swain macht eigene Erfahrungen und viel wird ihr Verhalten von der Erziehung ihres Vaters geprägt. Das fand ich auch sehr interessant mitzuerleben wie über die Generationen hinweg jeder sich von seinem Vater distanziert hat und einen ganz eigenen Weg gegangen ist, das fand ich sehr wertvoll und hat für Vielfalt zwischen den Geschichten gesorgt.
Während Abalom, Ruths Urgroßvater, ein Reverend der Gemeinde war, hat sich sein Sohn Abraham dazu entschlossen der Kirche seinen Rücken zuzukehren und seinen Sohn Virgil, Ruth Vater, von der Kirche fernzuhalten. Defizite gab es bei ihm allerdings in der Zuschaustellung von Gefühlen, so dass Virgil umso mehr seine Liebe an seine Kinder weitergab..
Es ist eine tolle Entwicklungskette, wie ich finde uns sehr interessant, natürlich spielt auch das voranschreitene Zeitalter damit hinein.

Besonders mochte ich von allen Charakteren Virgil, Virgil hab ich als sehr still empfunden und so manches Mal hat er bei mir das Bedürfnis hervorgerufen ihn in den Arm nehmen zu wollen, denn Virgil ist jemand der wirklich alles gitb und alles versucht und dabei immer scheitert. Und das hat bei mir für so viele verschiedene Momente gesorgt, es hat mich bedrückt, weil der Kummer zu spüren war, aber es hat mich auch zum lachen gebracht oder hat ganz einfach mein Herz erwärmt.
Für mich ist Virgil das Herzstück des Buches gewesen und ich hab jeden Moment mit ihm genossen.

Was ich insgesamt ein bisschen schade fand war, dass überwiegend über Ruths männliche Vorfahren berichtet wurde und ja es ging natürlich vorläufig um den Zweig der Swains, aber die Frauen eben dieser Familie kamen für mich viel zu kurz. Besonders schade fand ich auch, dass Ruths Sicht sehr von sexistischen Ansichten geprägt sind, für sie funktionieren Männer so und Frauen so und allein das fand ich für mich schon ziemlich unerträglich, aber dann hatte ich ebenso das gefühl, dass sie das männliche Geschlecht heroisiert, das ging für mich dann doch zu weit. Vor allem weil es immer als Fakt dargestellt wurde und nicht als eigene Meinung, besonders lustig ist es dann wenn sie die Literatur als Beleg für solche Behauptungen hernimmt.
Vielen wird das vielleicht gar nicht stören, aber mich hat das an einigen Stellen wirklich die Nerven geraubt und Ruth wurde mir dadurch auch weitaus weniger sympathisch. Dabei ist ihre gesamte Figur durchaus liebenswert.
Ansonsten mochte ich es gerade, dass das Buch direkten Bezug zur Literatur nimmt und sich zeigt welche Bücher für Ruth aber auch ihrer Familie bedeutsam sind und Ruths Erzählungen sprühen nur so vor Liebe zur Literatur und auch das finde ich immer unglaublich schön in Büchern.

Neben den eigentlichen Familienkern, lebt aber auch das ganze Dorf auf, jeder Bewohner wird mit seinen eigenen Mermalen vorgestellt und auch diesen Aspekt fand ich schön, weil es auch hier ein paar schrullige Charaktere gibt, die für schöne Momente gesorgt haben.

Ansonsten ist dieses Buch emotional doch sehr aufwühlend gewesen, denn die Erzählungen rund um ihre Familie sind nicht nur freudig, auch die schlimmen Momente kommen zu Tage und die haben auch bei mir Spuren hinterlassen, sehr wertvoll ist es aber, dass niemand hier sein Mut verliert und die Hoffnung sie stets umhüllt. :)

Geschrieben ist das Buch außergewöhnlich schön, es ist eine tolle fließende Sprache die alles von einer gewissen Distanz betrachtet und es doch schafft einen mitten hinein zu befördern. Es finden sich viele wunderbare Sätze und Gedanken dadrinnen und die habe ich als sehr wertvoll empfunden.


Eigentlich hätte dieses Buch die volle Punktzahl verdient, dadurch, dass es aber doch häufiger mal vor Sexismus trieft, kann ich das mit mir nicht ganz vereinbaren. Dennoch gibt es von mir eine klare Leseempfehlung, denn hier stecken besondere Charaktere drinnen, die was besonderes zu erzählen haben und das ist für mich ein wunderschönes Erlebnis gewesen das ich in mein Herz geschlossen habe. :)

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