Freitag, 11. März 2016

[Rezension] #Regretting Motherhood - Wenn Mütter bereuen






  • Preis: 16,99€
  • Einband: Broschiert
  • Seitenanzahl: 272
  • Verlag: Knaus
  • Autor/in: Orna Donath
  • Übersetzer/in: Karlheinz Dürr, Elsbeth Ranke, Regina Schneider
  • ISBN: 978-3-8135-0719-5






Im Jahr 2009 schrieb die Soziologin Orna Donath einen Artikel über das Thema "Wenn Mütter bereuen" in diesem Buch behandelt sie die Thematik noch einmal ausführlicher, führt Gespräche mit Frauen die es bereuen jemals Mutter geworden zu sein und analysiert was Frauen dazu bringt Kinder zu kriegen, wie die Gesellschaft beim Thema Mutterschaft gestrickt ist und warum es Frauen so schwer gemacht wird sich mit ihrem Problem zu öffnen und ernstgenommen zu werden ohne gleich  als Feindbild zu gelten...


Dieses Buch ist eher schwierig zu rezensieren, denn es beinhaltet eine eher heikle Thematik, das ist mir vielleicht vorher schon bewusst gewesen, nach dem Lesen aber umso mehr.
Es ist eine Thematik die sich nicht mal als Tabu-Thema bezeichnen lässt, denn so wie unsere Gesellschaft gestrickt ist, ist es ganz einfach eine Thematik die nicht existieren kann.
Denn uns prägt ein Bild, in der jede Frau von Natur aus dazu vorgesehen ist Nachkommen zu zeugen und diese dann bedingungslos zu lieben und sich selbst dafür zu opfern, zumindest ein Stückweit und wesentlich mehr als man es je von einem Vater einfordern würde.

Das Thema hat schon vor dem erscheinen des Buches seine Aufmerksamkeit auf mich gezogen, ich verfolge auf Twitter ziemlich viele Feministinnen und die aktuellen Thematiken und der Hashtag #regrettingmotherhood war dort schon einmal eine große Nummer, zwischen Frauen die sich trauen über ihre Gefühle zu sprechen gibt es darunter auch eine riesige Menge an Hasskommentaren. Menschen die es für unnatürlich halten und diese Frauen als kaltherzig, egoistisch und mehr beschimpft. All diesen ignoranten und engstirnigen Menschen würde ich liebend gerne dieses Buch in die Hand drücken, denn hier erzählen verantwortungsvolle und ja auch liebende Frauen über ihre Gefühle und Erfahrungen.

Ehrlicherweise gebe ich zu, dass auch ich es erst einmal komisch finde zu hören, dass jemand so sehr darunter leidet Mutter zu sein und der erste Gedanke ist erst einmal: Wieso haben sie denn Kinder bekommen?
Aber schon kurz darauf fielen mir doch so einige Gründe ein warum man Kinder bekommt.
Und darum geht es auch, es erzählt von dem gesellschaftlichen Druck denen Frauen ausgesetzt sind und wenn man da mal drüber nachdenkt, dann kann man dem wirklich nur zustimmen.
Sagt man jemanden, dass man keine Kinder will kommt oftmals erst einmal die Aussage, dass sich das irgendwann ändern wird, der nächste Schritt ist der, dass man gesagt bekommt, dass man es fürchterlich bereuen wird wenn man alt ist und keine Kinder um sich herum hat. Es wird gesagt, dass man erst mit einem Kind den Sinn des Lebens sieht und die wahre Erfüllung erkennt.. Das sind sogar Aussagen die ich vielleicht selbst eher weniger zu hören bekommen habe, aber trotzallem häufig mitbekommen habe.
Wir Leben einfach in einer Welt in der das Kinder kriegen propagiert wird, von allen Seiten und auch wenn es viele Menschen gibt die darin wirklich ihre Erfüllung finden, so wäre es doch anmaßend anzunehmen, dass es bei jedem so ist.

Mir persönlich hat der analytische Teil des Buches wirklich gut gefallen, Orna Donath ist die Thematik sehr professionell angegangen und konnte mich persönlich wirklich überzeugen. Ich fand es sehr toll, dass sie bereuenden Müttern eine Stimme gegeben hat. Mir persönlich hat es sehr viel anregenden Stoff zum nachdenken geliefert und noch viel mehr, hat es mir weitere Missstände in unserer Gesellschaft aufgezeigt.

Daneben waren mein Highlight aber eher die Gespräche mit den betroffenen Frauen, ich habe viele starke Persönlichkeiten durch dieses Buch kennengelernt. Frauen die sich wünschen die Zeit zurückzudrehen um wieder frei zu sein, aber auch Frauen die ganz klar und deutlich sagen, dass sie ihre Kinder lieben und ganz wundervoll finden.
Es klingt sehr widersprüchlich, aber das sind menschliche Emotionen, sie folgt nicht immer einer Logik, nimmt man sich aber die Zeit um ihre Berichte zu lesen, so erkennt man deutlich wie wahr es ist. Es sind sehr ehrliche und schonungslose Aussagen die, die Frauen treffen und sie erzählen ihre ganz eigene Geschichte. Man erkennt wie sehr sie sich selbst verurteilen und welchen Kummer sie durchleiden. Mich persönlich hat gerade dieser Part des Buches noch einmal stark sensibilisieren können.

Zwischendurch kam die Frage auf wie offen man gegenüber seinen Kindern mit diesen Gefühlen sein kann oder darf. Im ersten Moment denkt man klar nein und stellt man sich die Situation selbst vor, dann kann man sich vorstellen wie verletzend es sein muss das zu wissen.
Aber dann spinnt man das weiter und dann kommt es doch eher darauf an, wie man es Kindern rüberbringt. Ich glaube Offenheit schadet nicht immer, ich glaube offen mit diesem Thema umzugehen und es anzuerkennen hilft, um unsere Gesellschaft zu verbessern und wenn es dann als gegeben angesehen wird und nicht als ein widernatürliches Gefühl, das kein guter Elternteil hegt, dann ist es auch nicht mehr schädlich dem Kind gegenüber. Vor allem weil es nicht gleichbedeutend damit ist, dass dieses Elternteil nicht liebt.
Auch wenn das für mich der spannendste Denkansatz war, so stecken in diesem Buch noch sehr viel mehr und jeder von ihnen ist es wert verfolgt zu werden.


Dieses Buch hat mich mit seiner Thematik wirklich fesseln können, es ist interessant und vor allem wirklich wichtig. Es regt zum Nachdenken an und fördert das Verständnis und das haben die betroffenen Frauen einfach verdient. Von daher hoffe ich, dass dieses Buch noch viele Leser finden wird und dieses Thema von nun an häufiger einen Weg in die Medien findet.



Kommentare:

  1. Ich beschäftige mich, aufgrund meines Alters, immer wieder mit dem Kinder kriegen. Ich selbst weiß nicht, ob ich welche will. Da stecken viele Ängste hinter, die die Gesellschaft als egoistisch einstufen würde. Deshalb ist es schwer, jemanden zu finden, mit dem man offen darüber reden kann. Interessanterweise geht das am besten mit meinem besten Freund. Aber schon meine Mutter hat sich Freizeiten in der Woche eingeräumt, als wir klein waren. Dann kam ein Babysitter und die ging zum Friseur o.ä. das unterstütze ich auch heute. Eltern sind nicht nur Eltern und sollen das auch leben dürfen.

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  2. Das ist derzeit wirklich ein heikles Thema, mit dem man überall immer wieder konfrontiert wird. Ich finde es aber sehr ansprechend, gerade weil ich 3 Kinder habe. Mir tun die Frauen leid, die es bereuen Mutter geworden zu sein und ich verurteile sie auf keinen Fall. Man weiß leider erst was einen mit der Mutterschaft erwartet, wenn man eine Mama ist. Zum Glück bereue ich nichts. Doch es ist eben nicht immer einfach, sich selbst an letzter Stelle zugunsten der Kinder zu stellen. Ab und An muss man sich eine Auszeit vom Muttersein schaffen, das finde ich wichtig. Man liebt ja nicht nur seine Kids, sondern (im besten Fall) auch sich selbst!
    Liebe Grüße
    Kathi

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  3. Ich möchte das Buch auch noch lesen. Ich selbst komme ja langsam in das Alter, wo man schon intensiver über Nachwuchs nachdenkt... Den Partner hätte ich ja, blabla...
    Worum es mir eigentlich geht ist, dass ich glaube oder "befürchte" genau so eine Mutter zu werden. Irgendwie war für mich immer klar, dass ich eines Tages Kinder haben werde bzw. will. Jetzt wo dieser Zeitraum für mich greifbarer wird, kommen Ängste und Zweifel auf. Und nicht in der Art "ürgh, das Geld" oder ähnliches.

    Ich finde es einfach schrecklich, dass noch heute von den Frauen so eine totale Aufgabe bzw automatische Verantwortlichkeit verlangt wird, die ich persönlich nicht möchte. Ich will nicht benachteiligt werden in Bewerbungsverfahren, weil Personaler berücksichtigen, dass ich in x Jahren Kinder kriege und somit ausfalle. Ich will nicht unterschwellige Vorwürfe hören, wenn ich keine Lust habe, mein Leben auf das Wohl des Kindes und der Familie auszurichten. Das kann und sollte jeder Mann mittragen.... Und jede Frau, die das von vornherein nicht möchte oder später, in welcher Form auch immer, bereut, sollte das so locker erwähnen dürfen, wie jede Mutter, die über das Glück der Mutterschaft reden darf.

    Es ist für Frauen noch immer sehr schwierig. Deswegen finde ich solche Bücher, Meinungen und Anstöße so wichtig, damit man als Person, die sich gegen Kinder entscheidet oder die Mutterschaft/Elternschaft bereut, nicht gesellschaftlich in der Masse "geächtet" wird.

    Danke für die Rezension an der Stelle!

    Lieben Gruß,
    Rebecca
    www.book-a-loo.blogspot.de

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  4. Hi Svenja! ♥

    Ich habe, als das Thema aufkam, die Diskussion mitverfolgt - im ersten Moment ist man da schon schockiert, wenn man sich jedoch intensiver damit beschäftigt, kann man sich auch in die Frauen hineinversetzen...

    Ich freu mich, dass du eine Rezension zu diesem Buch geschrieben hast und dich einem so heiklen Thema gewidmet hast. Ich wusste gar nicht, dass es dazu ein Buch gibt, denke aber - nach deiner Rezension, dass ich es unbedingt lesen sollte! :)

    ✨ Schönen Abend und viele LG ✨
    Nana

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  5. Hey Svenja,
    toll, dass du dich einem Buch angenommen hast, das ein so heikles Thema beschreibt.
    Ich muss ehrlich zugeben, dass diese Diskussion bis jetzt an mir vorbeigegangen ist. Aber nach deiner Rezension werde ich es auf jeden Fall lesen.

    Alles Liebe, Nelly

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