Montag, 30. Mai 2016

[Rezension] Flugstunden





  • Preis: 16,99€
  • Einband: Broschiert
  • Seitenanzahl: 492
  • Verlag: Kindler Verlag
  • Autor/in: Matthew Quick
  • Übersetzer/in: Ulrike Wasel
  • ISBN: 978-3-463-40085-3





Portia Kane erwischt ihren Ehemann inflagranti mit einer jungen Frau die nur halb so alt ist wie sie, Portia hat es satt in einer unglücklichen Ehe zu leben und beschließt sich endlich von ihm zu trennen.
Unterschlupf findet sie bei ihrer Mutter, die mit hunderten von Coca Cola light Dosen auf sie gewartet hat, zurück in der alten Heimat erfährt Portia, dass Mr. Vernom ihr ehemaliger Englischlehrer von einem seiner Schüler brutal zusammengeschlagen ist und seit dem nicht mehr unterrichtet. Für Portia ist Mr. Vernom ein ganz besonderer Mensch, denn nicht nur sein Unterricht war erfrischend anders er hat sich auch wirklich für seine Schüler interessiert und Portia unterstützt wenn sie Probleme hatte, für sie steht fest Mr. Vernom muss weiter unterrichten und so macht sie es sich zur Mission ihn zu retten, Hilfe bekommt sie von einer Nonne und einem Ex-Junkie...


Ich liebe das Cover, es ist natürlich sehr einfach gehalten, aber gerade das mag ich und ich finde man erkennt sofort, dass es ein Quick ist und nicht nur weil der Name in recht großen Lettern auf dem Cover prangt, ich finde der Kindler Verlag gestaltet Quicks Bücher sehr harmonisch und das gefällt mir unheimlich gut.


Matthew Quick ist für mich ein wirklich toller Autor und ich hab mich sehr darauf gefreut sein neuestes Buch zu lesen, denn Die Sache mit dem Glück und Silver Linings haben mir beide außerordentlich gut gefallen. Mit sehr viel Freude hab ich mich also in Matthew Quicks Hände begeben und war ganz gespannt auf die Flustunden bei ihm. ;)

Ich hab mich wieder sehr schnell mit dem Buch angefreundet, Quicks größte Stärke ist es Charaktere zu erschaffen, denn die sind bei ihm nie langweilig und immer alles andere als gewöhnlich und das trägt sehr viel dazu bei, dass seine Bücher so viel Charme besitzen und immer wieder aufs neue faszinieren und begeistern. Und auch das ist Quick auch bei diesem Buch wieder scheinbar mühelos gelungen.
Auch wenn ich betonen muss, dass mir nicht jede Marotte der Charaktere in diesem Buch sympathisch war, aber das ist nicht mal wirklich als Kritikpunkt zu werten, weil ich das durchaus authentisch finde und es manchmal auch zu einem guten Lesespaß dazugehört, wenn man sich über die Charaktere aufregen kann. Und solange es sich wirklich in Grenzen hält und der Charakter ansonsten dazu neigt Sympathie zu versprühen, finde ich es okay.

So hatte ich zum Beispiel mit Portia ein kleines Problem, weil sie sich als Feministin bezeichnet und sich gerne mal ihren feministischen Gedanken hingibt, für mich aber ziemlich seixistisch daher kommt und auch mal über Frauen urteilt, wenn sie anders ist als sie es für feministisch hält. Das passt für mich nicht zusammen und hat bei mir dann eher Augenrollen hervorgerufen und auch als Bild einer Feministin finde ich die Darstellung nicht gelungen.
Dennoch ist sie ansonsten eine sehr liebevolle Person und ich hab sie schnell in mein Herz geschlossen, vor allem wenn man ihre Messie-Mutter kennenlernt und sieht unter elchen Bedingungen sie aufgewachsen ist, steigt ihre Sympathie.
Ihre Mutter ist sehr schwierig, aber für mich war sie ein Stückweit das Herz dieses Buches, auch wenn ich Portia sicherlich nicht um diese Frau beneide...

Ansonsten mochte ich auch Mr. Vernom sehr obwohl er sich teilweise etwas zu viel im Selbstmitleid ertränkt..
Und auch Chuck, der Ex-Junkie und die Nonne waren für mich tolle Zeitgenossen, die ich sehr gerne kennengelernt habe.
Das schön an diesem Buch ist, dass Quick allen von ihnen einen eigenen Teil widmet, so dass das Buch aus mehreren Perspektiven erzählt wird.
Ich mochte es wie der Autor die Verbindungen zu den Charakteren gezeichnet hat und wie alles sehr unwahrscheinlich wirkt, aber als Fügung angesehen wird.
Das bringt dann aber einen Punkt mit sich den manch einem vielleicht nicht so zusagen wird, denn die Religion ist ein großes Thema im Buch, was vielleicht daran zu erkennen ist, dass eine Nonne mit ihm Spiel ist, aber das ist natürlich immer ein bisschen schwierig im Umgang.
Ich bin bei Religion ein ziemlich offen, mein eigener Glaube spielt für mich beim Lesen keine Rolle und so lange ich nicht das Gefühl habe, dass man versucht mir etwas aufzuzwingen oder mich von etwas zu überzeugen finde ich es vollkommen okay, wenn er thematisiert wird und Protagonisten daran festhalten.
Das schöne ist hier aber, dass es eben auch die Nichtgläubigen gibt, die das dann eher alles als Schicksal ansehen und nicht als Gottesfügung, es herrscht also nicht nur die eine Ansicht was dann eh nochmal dafür sorgt, dass ich es mit Leichtigkeit nehmen kann.

Die Geschichte war für mich wirklich toll, es sind viele einzelne Schicksale die ihren Platz im Buch finden und dadurch, dass sie so eng miteinander verknüpft werden wirkt es generell auch nicht unzusammenhängend.
Dennoch fand ich es ab einem gewissen Punkt schade, dass Mr. Vernoms Schicksal irgendwann etwas in Vergessenheit gerät einfach weil Portia absolut überzeugt war, dass das ihre Bestimmung ist und dann geht eine Sache schief und auf einmal ist dieser Gedanke vergessen und die Bestimmung ist eine ganz andere. Das kam für mich irgendwie zu überraschend und wirkte auf mich nicht glaubwürdig, zu künstlich herbeigeführt.
Ansonsten lässt sich aber wieder einmal zu Quick sagen, dass er es versteht seinen Büchern Tiefsinn zu verleihen, er hat mir wieder viele tolle Denkanstöße gegeben und zeigt einem einfach auch mal auf was wirklich wichtig ist und wie toll das Leben, auch mit seinen Schattenseiten sein kann, wenn man es nur zulässt und das mag ich so gerne an ihm, er verschont nichts und spendet trotzallem sehr viel Mut und Hoffnung.


Für mich war es wieder eine ganz besondere Geschichte über das Leben mit authentischen aber einzigartigen Charakteren, die auf eine tolle Art und Weise miteinander verknüpft werden. Es ist ein Buch das berührt, nachdenklich stimmt und mir vor allem viel Freude bereitet hat. Irgendwie typisch für Quick und nur zu empfehlen. :)

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