Samstag, 3. September 2016

[Rezension] Katharina, Marie & ihre vier Männer






  • Preis: 8,99€ [D]
  • Einband: Taschenbuch
  • Seitenanzahl: 256
  • Verlag: Goldmann Verlag
  • Autor/in: Tine Ratig, Hannah Wilhelm
  • ISBN:  978-3-442-48414-0






Katharina und Marie sind beste Freundinnen, doch da sie beide hunderte Kilometer von einander entfernt wohnen, bleibt ihnen überwiegend die Kommunikation über Emails.
Als beide verheiratete Frauen merken, dass in ihrer Ehe die Luft raus ist und sie sich in jemand neues verliebt haben, wird die beste Freundin auf einmal eine noch viel größere Stütze, denn auf einmal haben sie einen Raum in der sie alle Gefühle teilen und loswerden können, Rat bekommen oder sich auch einfach mal über die missliche Lage beschweren, ohne verurteilt zu werden, sie fühlen sich einander verstanden, auch wenn beide ganz anders mit diesem Liebeschaos umgehen...

Beim Cover hat man sich nicht allzu viel neues ausgedacht, es ist schlicht und hübsch und passt sehr gut in das Genre.

Dieses Buch ist in Briefform geschrieben bzw. eigentlich viel mehr in Emailform und das ist ein Stilmittel den ich immer sehr, sehr gerne mag.
Ich finde dadurch bekommt man immer einen viel intensiveren Einblick in die Gedankenwelt der Protagonisten und auch die anderen Protagonisten setzen sich viel mehr mit dem anderen auseinander, eben weil man sehr viel persönliches teilt, zu denen die Protagonisten sonst ja gar kein Zugang haben.
In diesem Buch funktioniert das Prinzip ganz gut und ich fand es gerade bei dieser Thematik auch für mich sehr hilfreich so genau die Gedanken der beiden Frauen spüren zu können, denn meine Moral spricht sich letztendlich vollkommen gegen Betrug aus.

Dennoch mochte ich den Umgang mit der Thematik in diesem Buch sehr und meine moralischen Vorstellungen ließen sich auch gut dabei ausstellen. Auf den ersten Blick erweckte das Buch für mich eher seichte Unterhaltungslektüre und ich hatte auch eine oberflächlichere Auseinandersetzung mit dem Thema Betrug und dem Warum etc. befürchtet.
Aber das kam hier, glücklicherweise, ganz anders. Natürlich ist es immer noch Lektüre die der Unterhaltung dient, aber eben auch viel auf emotionaler Ebene, wo man manchmal auch etwas nachdenklich wird und sich fragt wie man selbst mit dieser oder jener Situation umgehen würde.
Ich fand es gut, dass einfach alle Gefühle der beiden sehr offen dargelegt wurden, der Zwiespalt, das schlechte Gewissen, die Angst vor der Zukunft, vor der Offenbarung des eigentlichen Partners, aber auch die Freude über das neue Fünkchen Liebe das sich in ihnen ausgebreitet hat und das Gefühl, endlich mal wieder begehrt, geliebt und glücklich zu sein.
Manchmal sind die Gefühlsumschwünge ziemlich schnell dar, aber auch das fand ich nur authentisch. Generell wirkte die Auseinandersetzung auf mich sehr ehrlich, natürlich konnte ich die beiden nicht immer zu 100% nachvollziehen, aber es gab diese Momente durchaus. Von daher konnte ich ihre Entscheidungen akzeptieren und mich auch vollkommen neutral auf deren weiteren Entscheidungen einlassen.

Ich mochte es auch, dass beide ziemlich anders mit der Situation umgehen, und auch die gegenseitige Unterstützung fiel sehr angenehm aus, sie pushen sie nicht in eine Richtung, sondern akzeptieren wie sich die andere fühlt und unterstützen sich in ihren Entscheidungen, selbst wenn sie für sich selbst eine andere getroffen haben und das ist gut und wichtig so.
Der Verlauf der eigentlichen Handlung, rein im Aspekt von wegen wer entscheidet sich für wen etc. war leider etwas vorhersehbar und nur wenig überraschend, auf der einen Seite ist es natürlich schön, dass man als Leserin deutlich merkt wo die Tendenzen liegen und was das Herz der beiden eigentlich möchte, aber auf der anderen Seite mag ich es auch einfach mal ein bisschen überrascht zu werden und das schafft dieses Buch dann leider nicht. ;)

Ein weiterer Störpunkt war für mich, dass man doch sehr häufig den Sexismus hat sprechen lassen. Sie senieren natürlich über ihre Männer und natürlich gilt das was ihre Männer tun für alle und wie sie sich verhalten gilt für alle Frauen. Die beiden zeichnen also ein stereotypisches Bild von Mann und Frau und sagen felsenfest, das ist so.
Ich bin da generell immer kleinlich, vielen würde das wahrscheinlich nicht stören oder gar auffallen, aber ich hab es einfach satt und für mich war das ein großer Störfaktor. Vielleicht war es zu erwarten, sogar wahrscheinlich, aber ich geb die Hoffnung nicht auf, dass man auch mal einen Beziehungsroman schreiben kann, ganz frei von irgendwelchen Klischees und festgelegte Rollen der Geschlechter (denn ehrlich, es wäre nicht sehr schwer!)

Es ist kein anspruchsvoller Roman, dennoch hatte er mehr Tiefgang als erwartet, was mich positiv überrascht hat. Ich mochte die Gedanken der beiden Frauen und hab mich durch die entstandene Nähe auch sehr mit ihnen verbunden gefühlt, nur der Sexismus nervte mich, glücklicherweise war er aber nur Stellenweise präsent. Das Thema wird wirklich von allen Seiten gut durchleuchtet und bietet von daher wirklich unterhaltsame als auch nachdenkliche Lesestunden.

1 Kommentar:

  1. Huhu! ^.^

    Wirklich eine tolle Rezension! Auf der einen Seite kritisch, aber auch lobend. Trotzdem hüpft das Buch nicht auf meine Wunschliste, da diese sowieso schon viiiiel zu lange ist. Du kennst das ja bestimmt. :D

    Alles Liebe,
    Jasi ♥

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