Montag, 5. Juni 2017

[Rezension] Das Leben nach Boo






  • Preis: 24,00€ [D]
  • Einband: Gebunden
  • Seitenanzahl: 416
  • Verlag: Schöfflig & Co.
  • Autor/in: Neil Smith
  • Übersetzer/in: Brigitte Walitzek
  • ISBN: 978-3-89561-496-5





Boo ist ein besonderer Junge, mit seinen 13 Jahren interessiert er sich mehr für die Wissenschaft als für soziale Beziehungen, er ist hochbegabt und tot. Mit 13 Jahren landet Boo im Jenseits, in einer Stadt in der alle 13-jährigen Amerikaner landen die sterben, niemand sonst. Boo muss sich an ein neues leben gewöhnen, auch daran Freunde zu finden, denn Thelmas Job ist es, ihn beim eingewöhnen zu helfen und sie denkt gar nicht daran ihn in Ruhe zu lassen. Als dann noch ein Junge aus Boos Schule, ebenfalls in die Stadt kommt, kommt auf einmal Action ins Jenseits, denn Johnny behauptet, dass er und Boo umgebracht wurden sind und das ihr Mörder ebenfalls im Jenseits gelandet sein müsste - die Suche nach Gunboy beginnt...

Das Cover ist sehr schlicht, es fällt aufgrund der großen Lettern durchaus auf, aber das besondere ist eigentlich, dass dieses Buch in vielen verschiedenen Farben erhältlich ist, von pink, zu blau, zu weiß. Jeder kann sich sein liebstes Cover aussuchen, das finde ich schon ziemlich witzig und auch toll. :)

Auf das Leben nach Boo habe ich mich tierisch gefreut gehabt, allein die Idee klang in meinen Ohren so außergewöhnlich und besonders und ich hatte die Hoffnung, evtl auch mal wieder ein etwas tiefgründigeres Buch vor mir zu haben, in dem es um mehr geht als nur pure Unterhaltung. :)

Letztendlich waren meine Erwartungen in der Hinsicht etwas zu hoch gegriffen, was nicht heißt, dass es nicht durchaus Tiefgang besitzt, er hat sich mir nur etwas anders gezeigt als gewünscht, aber letztendlich war das vollkommen okay und für die Geschichte wahrscheinlich auch gut so.

Zusammen mit Oliver aka Boo landen wir in diesem "Jenseits" das erst einmal völlig anders ist als Religionen oder vielleicht auch man selbst einen glauben lassen wollen. Die Idee, dass nur alle toten im gleichen Alter und aus dem gleichen Land zusammen in einem Jenseits landen und dort 50 Jahre weiterleben "müssen" bevor sie (wahrscheinlich) für immer tot sind, fand ich eigentlich ganz witzig und vom Denkansatz auch interessant.
Während des Lesens hab ich das allerdings auch häufiger mal vergessen und die Charaktere nahmen in meinem Kopf eine wesentlich ältere Gestalt an, was einfach daran liegt, dass diejenige die schon länger tot sind, zwar immer noch 13 sind und so aussehen, aber vom Kopf her eben nicht mehr.
Es hat also durchaus einen erwachsenen Ton und auch Boo bringt da eher weniger kindliches hinein, weil er einfach ein sehr rationaler Mensch ist, der von Natur aus schon eher erwachsen daherkommt.

Dennoch mochte ich Boo sehr gerne, das Buch ist aus seiner Sicht geschrieben, denn er schreibt seinen Eltern seine Geschichte auf und genau die lesen wir, er wendet sich auch häufig an seine Eltern und manchmal merkt man dann doch, dass er eben noch ein Kind ist. Die Liebe zu seinen Eltern ist sehr groß und wenn er zu ihnen spricht wirkt er beinahe verletzlich, das waren für mich die Momente in denen sich bei mir die Verbindung zu Boo aufgebaut hat, die dann immer weiter gewachsen ist. Es hat mir Freude bereitet Boo zu begleiten und auch seinen eigensinnigen Charakter habe ich schnell lieb gewonnen. Tiefgang zeigt sich hier in mehreren Erlebnissen aus dem vergangenen Leben in denen man dann auch immer wieder vergleiche zwischen seinem Leben als lebender und als verstorbenen ziehen kann, was für mich sehr interessant war. Das sind halt die Momente in denen man merkt, dass er nicht nur verloren hat sondern auch gewonnen.

Aber nicht nur Boo hat Eindruck bei mir hinterlassen, auch seine Freunde dort konnten mich überzeugen. Sei es die fürsorgliche Thelma die einfach ein Gespür dafür zu haben scheint, wie sie mit Boo umgehen muss und an ihn rankommt und auch nicht allzu schnell locker lässt. Die kleinwüchsige Esther, Feministin und unglaublich charakterstark, sie sagt wenn ihr etwas missfällt und das mit ziemlich deutlichen Worten - ich glaube fast sie war mein Liebling. ;)

Und Johnny, Johnny war für mich nicht direkt ein Sympathieträger, dazu bringt er zu viel "wirres" mit sich, aber er ist interessant und die Story die sich um ihn und Boo bildet ist für mich auch wirklich noch spannend geworden. Die beiden teilen ein Schicksal gehen aber völlig unterschiedlich damit um, während Boo recht locker bleibt, merkt man, dass Johnny viel mehr unter seinem Tod leidet und sich schwer tut sich im Jenseits zu integrieren. Er ist auch der Charakter, der nach Gunboy sucht und nach Rache giert. Man kann ihn durchaus verstehen und es wirkt vor allem irgendwie auch authentisch, denn das ist durchaus ein Szenario in dem man ausflippen darf. Aber es wurde für mich dadurch dennoch schwer ihn direkt zu mögen.

Die Suche nach Gunboy erweist sich als nicht so einfach und hier kommt die wahre Besonderheit des Buches für mich zu Tage, ich will nicht allzu sehr darauf eingehen, denn ich möchte auf keinen Fall spoilern. Aber mit der Suche, zeigt dieses Buch worum es hier wirklich gehen soll und hier liegt dann auch die Tiefgründigkeit vergraben, die man Stück für Stück freimacht und sich auch immer mal wieder neu zeigt, denn das Buch führt einem nicht sofort auf die richtige Spur, es weiß durchaus mit Überraschungen zu triumphieren und man sollte sich davor hüten, zu schnell zu urteilen. ;)
Denn in diesem Buch geht es letztendlich nicht um die Schuld, sondern um Vergebung, Freundschaft, Liebe und den Mut zu Leben..

Der Schreibstil passte meiner Meinung nach ziemlich gut zu Boo, er bleibt meistens recht emotionslos, er wird nicht wütend wenn er die grausamen Szenarien beschreibt o.Ä. es ist aber keinesfalls trocken oder langatmig, er legt nur keinen Wert auf schnörkeligen Worten etc. nur manchmal, wenn er direkt zu seinen Eltern spricht, ändert sich auch der Ton seiner gewählten Worte und man spürt etwas. Das fand ich insgesamt wirklich schön, weil man dadurch einfach merkt, wie viel ihm seine Eltern bedeuten und wie wichtig es ihm auch insgeheim ist, dass sie all das was er erzählt auch lesen könnten.

Es ist eine besondere Geschichte, für die man seinen eigenen Glauben evtl. mal über Bord werfen muss. Mir hat es wirklich gut gefallen, die Ideen und Aufbau sind toll, die Charakteren gehen einem nahe und wachsen ans Herz und die Botschaft des Buches ist klar und bietet Stoff zum nachdenken - insgesamt also eine ganz tolle Mischung. :)

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